Entlieben nach unfreiwilligem Verlieben

Wer sich verliebt, und sich gerne vom Objekt seines Verliebtseins lösen möchte, hat ein Problem: Verliebtsein ist ein starker affektiver Zustand, und Gefühle lassen sich nicht nach Belieben unterdrücken.

Entlieben

Anleitung

Für das Gefühl des Verliebtseins gilt das selbe wie für alle anderen Gefühle auch: Blockiert man ihren freien Fluss, so beharren sie länger, lässt man sie frei fließen, verändern sie sich.

Für den Fall der Verliebtheit gilt daher: Gib dich dem Gefühl voll hin. Mach dich zum Affen. Heule, weil du den oder die Geliebte nicht haben kannst. Gesteh dem oder der Geliebten deine Liebe. Schreib Liebesbriefe. Und ja: Schick sie ab, wieder und wieder.

Dabei passiert folgendes: Entweder, die Abwehr der oder des Geliebten nimmt ab, oder du nervst ihn oder sie so, dass er dich ablehnend, respektlos oder verletzend behandelst.

Im ersten Fall (Abwehr des Gegenübers sinkt) ändert sich die Situation grundlegend. Entweder hört dein Wunsch nach Entlieben auf, dann ist diese Anleitung nicht mehr zutreffend. Oder du willst dich weiterhin entlieben, weil du nicht glaubst, dass deine Verliebtheit gut für dich ist. In diesem Fall solltest du diese Gründe im Gespräch mit anderen, unbeteiligten Menschen überprüfen. Hierzu eignen sich gute Freunde genauso wie Zufallsbekanntschaften, die du in einem Café ansprechen kannst. Solltest du deine Verliebtheit bekämpfen wollen, weil du bereits einen festen Partner hast und glaubst, dass du dich deshalb nicht verlieben darfst, dann informiere dich im Internet über „Polyamorie“.

Im anderen Fall (das Gegenüber behandelt dich schlecht) schlägt dein Gefühl des Verliebtseins irgendwann in eine Ablehnung deines Gegenübers durch dich um. Du erkennst körperlich und gefühlsmäßig, dass das Objekt deines Verliebtseins nicht für dich offen ist. Dein Verliebtsein verebbt. Kehrt es zurück, wiederhole die obigen Schritte.

Tipps

Je intensiver du dein Verliebtsein lebst, umso schneller geht der ganze Prozess. Wahre allerdings die Grenzen des anderen und vermeide Stalking-Handlungen, bei denen sich der andere körperlich oder psychisch verfolgt fühlen könnte, v. a. wenn ihr euch nicht besonders gut kennt (z. B. häufige Telefonate oder Auflauern). Es genügt zumeist, einen oder mehrere intensive Briefe zu schreiben.

Wenn du von der anderen Person allerdings auf Distanz gehalten wirst (du also den Eindruck hast, dass sie dich einfach nicht näher an sich ran lässt), dann beachte, dass sich diese Person dessen bewusst ist, dass sie ein Bild von sich selbst für dich projiziert, dem du vollkommen verfallen bist, was sie in Wirklichkeit eventuell aber gar nicht ist.

Kläre für dich die Frage, ob du ständig verfügbar und abrufbereit für diese Person sein willst und lasse Gefühle wie Wut aufgrund deiner Misere zu und finde deine eigenen situationsbedingten Grenzen heraus und respektiere diese. Oft hilft der Gedanke „Mit mir nicht!“

Warnungen

Diese Anleitung solltest du nur befolgen, wenn du ein Grundmaß an Selbstliebe besitzt. Ansonsten könnte dich das Gefühl des Abgelehntseins, das sich im hier beschriebenen Prozess einstellt, in eine tiefere Krise (z. B. Depression) stürzen. Hole dir in solch einem Fall lieber fachlichen Rat. Dein Problem ist dann nicht das Verliebtsein, sondern die mangelnde Selbstliebe.

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