Skateboard fahren

Unter einem Skateboard versteht man ein Brett (Deck), welches zumeist mit einer rauen Oberfläche (Griptape) beschichtet ist und an dessen Unterseite sog. Achsen montiert werden. An diesen wiederum befinden sich Kugellager und Rollen.

Den vorderen, hochgebogenen Teil des Skateboards bezeichnet man als „Nose“ wohingegen der hintere, hochgebogene Teil des Decks „Tail“ heisst.

 

Skateboard fahren meint jegliche Form der sportlichen Aktivität mit einem Skateboard, von normalem Fortbewegen mithilfe eines Skateboardes bis hin zu trickorientiertem Street- und Halfpipeskaten.

Die Entstehungsgeschichte

Skateboarding wurde Anfang der 1950er Jahre in den USA erfunden und zunächst lediglich von Surfern praktiziert, zB an Tagen mit ungünstigem Wellengang oder als Fortbewegungsmittel zum nächstgelegenen Surfspot. Der erste Skateboardboom began etwa 1959 und erste Skateboardfirmen wie „Makaha“ entstanden. Durch die Werbung, welche diese Skateboardhersteller für ihre Produkte betrieben, wurde Skateboarding noch weiter verbreitet. Außerdem gab es bereits zu dieser Zeit erste gesponsorte Skateboardteams, die ihre Tricks vor Publikum vorführten und Skateboarding somit auch zu mehr Popularität verhalfen. Die damaligen Formen des Skateboardings waren Downhill, Slalom und Freestyle. Freestyle Tricks wurden hauptsächlich im Stehen ausgeführt und auch Manuals (fahren auf maximal 2 Rollen) waren elementarer Bestandteil des Freestyle Skateboardings. 1963 wurde der weltweit erste Skateboardcontest in Hermosa, Kalifornien abgehalten. Skateboarding wurde immer beliebter, kam in Filmen vor (zB „SkaterDater“) und auch ein erstes Skateboardmagazin wurde veröffentlicht („Quarterly Skateboarder“, 1965). Die Popularität des Skateboardings hatte ihren damaligen Hochpunkt erreicht, in einem Zeitraum von 3 Jahren wurden über 50 Millionen Skateboards verkauft. Jedoch wurden die Skateboards über diesen Zeitraum so gut wie nicht weiterentwickelt und waren sehr unsicher. Vor allem die Hartplastikrollen, welche zu dieser Zeit Standard waren (sog. „clay wheels“) führten oftmals zum Verlust der Bodenhaftung und somit zu Stürzen.
Diese Tatsache führte zu vielen Skateboardunfällen, sogar von Todesfällen wurde berichtet. Aufgrunddessen wurde Skateboarding in vielen US-Städten verboten und es kam 1965 zu einem Ende des ersten Skateboardbooms.
Jedoch brachte das Ende des ersten Skateboardbooms kein Ende des Skateboardens mit sich, da sog. „Hardcore Skateboarders“ den Sport weiterleben ließen.
Anfang der 1970er Jahre erfand Frank Nasworthy die wesentlich sichereren „Urethane Wheels“, welche aus Polyurethan fabriziert wurden. Mitte 1973 begann dann der zweite Skateboardboom in den USA und viele neue Skateboardfirmen, wie zB „Independent“ oder „Tracker“ wurden gegründet. Diese Hersteller verbesserten das Skateboardequipment und entwickelten es weiter, so wurden zB spezielle Skateboardachsen hergestellt (zuvor wurden oftmals Rollerskateachsen verwendet) und auch die Kugellager wurden verbessert, da die Kugeln bei den alten Lagern dazu neigten herauszufallen wenn der Skater zu schnell wurde. Idole der damaligen Zeit waren u.A. die „Z-Boys“ aus Santa Monica, welche mit ihrem agressiven Surfstyle die Skateboardszene maßgeblich beeinflussten.
Etwa zu dieser Zeit wurde Vert Skateboarding (Skateboarding in Halfpipes und leeren Swimmingpools) erfunden und fand enormen Zuspruch von Seiten der Skateboardszene. Downhill, Slalom und Freestyle Skateboarding wurden immer unbeliebter und heutzutage sind diese Unterarten des Skateboardens nurnoch marginal von Bedeutung.
1976 wurde der erste Skateboardpark in Florida gebaut und kurz danach fanden Skateparks weltweit Verbreitung. Da Vert Skateboarding die populärste Skateboardform war musste auch das Skateboardequipment verändert werden. So wurden die Decks immer breiter, um eine bessere Stabilität in Halfpipes o.Ä. zu gewährleisten.
Ende der 1970er Jahre erfand Alan „Ollie“ Gelfand den nach ihm benannten Ollie, einen Air der ohne die zuhilfenahme der Hände möglich war. Dies war zur damaligen Zeit eine maßgebliche Erfindung, da man zuvor bei Airs vor dem Absprung immer mit mindestens einer Hand das Board greifen musste. Nun wurden sehr viele neue Tricks erfunden, die auf der Ollie-Technik basieren, zB der Kickflip oder der 360 Flip.
Etwa gegen Ende der 1970er Jahre befand sich die „Skateboardwelle“ erneut auf einem Hochpunkt und auch Skateboardfremde Firmen wie zB Pepsi betrieben Werbung mithilfe von Skateboardern. Darüberhinaus wurden auch etliche Filme die Skateboardszenen enthielten herausgebracht, wie zB „Gleaming the Cube“ oder „Zurück in die Zunkunft“.
Jedoch hielt auch der 2. Skateboardboom nicht für immer und im Jahre 1980 kam er, hauptsächlich aufgrund der starken Konkurrenz durch das BMX, zum Ende. Dennoch fuhren einige wenige Skateboarder weiter und hielten den „Sport“ somit am Leben.
1983 begann die 3. Skateboardwelle, welche zu Anfang noch von Vert Skateboarding dominiert wurde. 1984 veröffentlichte „Powell Peralta“ das erste Skateboardvideo und half Skateboarding damit zum einem höheren Bekanntheitsgrad. Rodney Mullen übertrug den Ollie von Vert- auf Streetskateboarding und Streetskaten in all seinen Variationen wurde enorm beliebt.
Aufgrund der neuen Entwicklungen der Skateboartricks veränderte sich das Equipment abermals, die Boards wurden wieder dünner, und gleichmäßig dick und beide Enden des Boards (Nose und Tail) waren hochgebogen. Diese Form hat das Skateboarddeck seit ca. 1990 und auch heute noch. Die Skateboardindustrie verzeichnete Rekordgewinne zu dieser Zeit, jedoch fand der 3. Skateboardboom 1991 ein jähes Ende aufgrund von verstärkter Konkurrenz durch Rollerblading und durch die Folgen der weltweiten Rezession, die auch vor der Skateboardszene nicht halt machte.
1993 begann die 4. Skateboardwelle, welche Hauptsächlich durch Streetskaten gekennzeichnet ist.
1995 wurden die X Games, in denen Skateboarding ein wichtiger Bestandteil ist, zum ersten mal ausgetragen.
1999 landete Tony Hawk als erster Skateboarder einen 900 (drehung um 900° in der Halfpipe) und wurde dadurch Weltberühmt.
2005 sprang Danny Way mit seinem Skateboard und einer extrem großen Rampe über die Chinesische Mauer.
In letzter Zeit gab es immer einmal wieder Debatten darüber, ob Skateboarding eine Olympische Disziplin werden soll. Ob dies jedoch der Fall sein wird ist noch nicht entschieden, da sich viele Skateboarder wehemend dagegen wehren.
Der 4. Boom hält bis zum heutigen Tag an und die Skateboardindustrie macht Umsätze wie nie zuvor. Skateboarding ist heutzutage allgegenwärtig, sei es in Form von Klamotten, in der Werbung oder auch in Videospielen und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Anleitung

1. Der Ollie

Der Ollie ist der wichtigste Trick im heutigen Skateboarding. Viele Leute, die mit Skaten beginnen, beginnen damit, Ollies zu üben. Hierbei ist es besonders ratsam die Ollies gleich im fahren zu üben, nicht wie viele Anfänger im Stehen, da man sich den Ollie im Stehen leicht krumm angewöhnt und dies später schwer zu beheben ist.

Um einen Ollie auszuführen platzierst du zunächst deinen hinteren Fuß mittig auf dem Tail.
Je nachdem ob dein rechter Fuß hinten steht oder dein Linker spricht man von der Stellung als „Regular“ oder „Goofy“. Wie herum man auf dem Skateboard steht ist einfach eine Sache des besseren Gefühls.
Der vorderen Fuß sollte etwa in der Mitte des Boards stehen, allerhöchstens kurz hinter den Schrauben der Vorderachse.
Gehe nun in die Knie, stoße dich mit dem hinteren Fuß mit der Tail stark vom Boden ab („poppen“) und „ziehe“ den vorderen Fuß in Richtung Hose. Wenn du das richtige Timing hast bist du nun kurz in der Luft. In der Luft solltest du die Beine so stark anziehen wie es möglich ist, um die Flugphase zu maximieren. Nun kommt die Landephase. Versuche, mit den Füßen auf höhe der Achsen auf dem Board aufzukommen und gehe wiederum in die Knie, um den Aufprall zu dämpfen. Nun heisst es auf dem Board bleiben und nicht aus Angst abspringen und schon hast du den Ollie gemeistert. der ollie ist schwer!!

 

Wenn du den Ollie beherrschst kannst du als variation einen Frontside (FS) 180 (sprich: one-eighty) versuchen. Hierzu ist anzumerken, dass ein frontside 180 nach hinten gemacht wird, wohingegen man sich bei einem backside 180 nach vorne dreht.

Beginne ganz normal wie beim Ollie aber drehe die Schultern bereits vor dem poppen nach rechts (bei Regular fahrern) bzw. nach links (bei Goofy fahrern). Nun poppe und ziehe den Ollie, aber drehe dich währenddessen mit dem schwung, den du aus der Schulterdrehung erhältst, um 180°. Im Idealfall solltest du, wenn du den höchsten Punkt erreicht hast, dich etwa um 90° gedreht haben und dann auf dem weg nach Unten die weiteren 90° zuende drehen. Nun lande wie beim Ollie und fahre weiter.

Ein Backside (BS) 180 ist für viele schwieriger zu meistern, da man sich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung dreht.
Der BS 180 erfolgt jedoch genauso wie der FS 180, nur dass man sich eben nach vorne statt nach hinten dreht.

Video hierzu:
FS und BS 180
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2. Wheelies (Manuals)

Es empfiehlt sich, Wheelies gleich zu Beginn gut zu üben, da sie mehr Kontrolle über das Board vermitteln.
Wheelies werden ausgeführt, indem man in der Fahrt (übe zu Beginn Wheelies bei langsamer fahrt) die Vorderachse durch Gewichtsverlagerung leicht vom Boden abhebt und auf der Hinterachse balanciert. Verwende hierzu auch die Arme und versuche, möglichst lang im Wheelie zu fahren ohne mit der Vorderachse oder dem Tail den Boden zu berühren. Es wird eine Weile dauern bis du einen schönen langen Weehlie fahren kannst aber die Mühe zahlt sich aus.

Eine fortgeschrittenere Variante des Wheelies ist der Nosewheelie, welcher im Prinzip wie der eigentliche Wheelie Funktioniert, jedoch balanciert man hier auf der Vorderachse. Beim üben eines Nosewheelies ist Vorsicht geboden, da ein Berühren der Nose mit dem Boden leicht zu stürzen führt.

Alle Wheelie-Variationen können mit einem Ollie auch auf höheren Obstacles gemacht werden.

3. Der Pop Shove-It

Stelle deine Füße für einen Pop Shove-It in die Ollie-Ausgangsposition. Nun gehe in die Knie und poppe das Tail wie beim Ollie, ziehe jedoch währenddessen deinen hinteren Fuß nach hinten und schiebe deinen vorderen Fuß nach vorne. Dadurch beginnt sich das Board um seine Querachse zu drehen. Stoppe das Board nach einer 180°-Drehung in der Luft (mit dem Vorderen Fuß). Diesen Vorgang nennt man „catchen“. Nun erfolgt die Flugphase und die Landung analog zum Ollie (siehe 1).

Eine wichtige Variation des Pop Shove-Its ist der Frontside Shove-It. Er funktioniert vom prinzip her genauso wie der Pop Shove-It, jedoch dreht sich das board nach hinten.

Wenn du 2 Pop-Shove-Its nacheinander als einen Trick machst heisst dieser Trick 360 Shove-It.

4. Der Kickflip

Stelle deine Füße in die Ollie Ausgangsstellung aber stelle deinen vorderen Fuß etwas mehr nach hinten als beim Ollie.
Der Anfang des Kickflips, also poppen und ziehen, erfolgt wie beim Ollie, jedoch musst du, wenn du mit deinem Fuss an der Nose angekommen bist, seitlich an ihr vorbei ziehen. Nun ziehe deine Beine gut an, dass du das Board nicht beim rotieren störst, catche und lande wie gehabt.

Der Kickflip kann mit vielen anderen Tricks kombiniert werden, um so neue Tricks zu erhalten.
So ist zB der varial Kickflip ein Pop Shove-It welcher mit einem Kickflip kombiniert wurde oder der 360 Flip ein 360 Shove-It welcher mit einem Kickflip kombiniert wurde.

5. Grabs

Als Grab wird jeder Trick bezeichnet, in dem man das Board an einer Stelle mit der Hand berührt. Mit außnahme des Earlygrabs basieren alle Grabs auf dem Ollie und werden hauptsächlich im Vert Skateboarding verwendet.
Die wichtigsten Grabs sind:
-Nosegrab (vordere Hand berührt die Nose)
-Indy (Hintere Hand berührt die Vorderseite des Boards
-Tailgrab

Grabs und Flips können auch kombiniert werden, jedoch findet man diese Tricks fast ausschließlich im Vertskaten, da man eine lange Flugphase dafür benötigt.

6. Grinds und Slides

Bei einem Grind gleitet man mit mindestens einer Achse über eine Kante wohingegen man bei einem Slide mit einem Teil des Boardes über eine Kante oder ein Rail (Rohr) gleitet.

Wichtigste Grinds:

6.1 Der 50-50 Grind

Fahre für einen 50-50 Grind etwa parallel oder in einem leichten Winkel auf das zu grindende Objekt (Obstacle) zu.
Nun mache einen Ollie und zwar so, dass du in der Luft mit beiden Achsen genau über der Kante fliegst. Lande im Anschluss mit beiden Achsen auf der Kante oder dem Rail. Wenn du schnell genug warst beginnst du nun zu rutschen, also zu grinden. Mache am Ende des Obstacles einen kleinen Ollie, lande und fahre den schwung aus.
Wenn du ein Rail grinden willst sei bitte extrem vorsichtig und versuche, mit deinen Achsen möglichst mittig auf dem Rail zu landen. Auf einem Rail zu grinden erfordert eine gute balance und ist sehr gefährlich.

Video:
50-50
<videoflash>_YBmIVPir7o</videoflash>

6.2 Der 5-0

Ein 5-0 (sprich: five-oh) funktioniert im Grunde wie ein 50-50, nur, dass man lediglich auf der hinteren Achse grindet. Dies macht das balancieren, besonders auf Rails, jedoch noch schwieriger und auch hier ist beim üben vorsicht geboten!

Fahre auf das Obstacle zu, mache einen Ollie, sodass du dich über der Kante befindest. Nun verlagere dein Gewicht so (etwas Rückenlage), dass du lediglich mit der hinterachse auf der Kante aufkommst. Nun grindest du.
Mache am Ende des Obstacles wieder einen kleinen Ollie bzw verlagere dein Gewicht nach vorne und rolle weiter.

6.3 Der Boardslide

Boardslides werden hauptsächlich auf Rails gemacht, manchmal sieht man sie aber auch auf anderen Obstacles.

Fahre für einen Boardslide parallel zum Rail und mache einen Ollie mit einer 90° Drehung, sodass du dich quer zur Fahrtrichtung über dem Rail befindest. Nun lande mit der Mitte des Boards auf dem Rail und wenn du schnell genug warst wirst du sliden. Achte darauf während des Slides gut die Balance zu halten. Am Ende des Rails musst du wieder eine 90° Drehung vollführen, um dich im die Fahrtrichtung zurückzudrehen. Nun lande und rolle den Trick aus.

 

6.4 Der Noseslide

Noseslides auf Rails sind sehr schwer zu balancieren und für Anfänger nicht geeignet. Am besten lassen sich Noseslides an einer Grindbox üben.

Fahre parallel zur Box an und mache einen Ollie mit einer 90° Drehung. „Ziehe“ den Ollie wie gewohnt aber ziehe deinen vorderen Fuß bis ganz hoch zur Nose und lass ihn dort. Verlagere nun dein Gewicht etwas nach vorne und lande mit der Nose auf der Kante. Warst du schnell genug wirst du nun sliden. Am Ende des Slides musst du wieder eine 90° Drehung machen und schon hast du einen neuen Trick gelernt.

Alle Grinds und Slides können Frontside oder Backside gemacht werden, je nachdem mit welcher Seite der Skater zum Obstacle zeigt. Für Frontside Tricks zeigt die Front des Skaters zum Obstacle und bei Backside Tricks sein Rücken. Für Anfänger sind Frontside Tricks besser geeignet, da sie so besser abschätzen können, wo auf dem Obstacle sie landen werden.

Des weiteren können Slides „to fakie“ gemacht werden, was bedeutet, dass man sich nach dem Slide entgegen der Fahrtrichtung zurückdreht.

Tipps

Und nun viel Spaß beim Skateboard fahren! Aber seid vorsichtig beim üben der Tricks und tragt am besten Schutzausrüstung!
Der Autor dieses Artikels haftet nicht für Schäden, die aufgrund (unsachgemäßer) Ausübung der oben genannten Beschreibungen zustande gekommen sind.

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